Informationen des Schuldekans

Gottesdienst zum Start ins neue Schul- und Kitajahr

© I. Krieger
Gottesdienst zum Schuljahresstart

Ein Armband mit 18 Perlen, und jede Perle erzählt etwas: Damit sind Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte und Eltern am Donnerstagabend, 24. September 2026, in der Evangelischen Schlosskirche Tettnang ins neue Kita- und Schuljahr gestartet. Eingeladen hatten das Schuldekanat Ravensburg und die Kita-Fachberatung im Evangelischen Kirchenbezirk. Rund 25 Gäste kamen, und in der kleinen Runde entstand schnell eine persönliche Atmosphäre.

„Wir sind heute zusammen, um gemeinsam unter Gottes Segen ganz bewusst in dieses neue Kita- und Schuljahr zu starten“, begrüßte Schuldekan Samuel Holzhäuer die Gäste. Sein Dank galt allen, „die für unsere Kinder da sind“ und sich mit viel Engagement für sie einsetzen.

 

Glauben zum Anfassen
Im Mittelpunkt standen die „Perlen des Glaubens“. Der schwedische Bischof Martin Lönnebo hat das Armband 1995 entworfen. Jede der 18 Perlen sieht anders aus und steht für eine Station im Leben und im Glauben: von der goldenen Gottesperle über die Perlen der Stille, der Liebe und der Taufe bis zur weißen Perle der Auferstehung.

„Die Perlen des Glaubens laden uns ein, den eigenen Glauben in die Hand zu nehmen, ganz wörtlich und haptisch“, erklärte Holzhäuer. Das Schöne daran: Die Perlen müssen nicht alles erklären. Genau deshalb funktionieren sie so gut in Kita, Schule und Religionsunterricht. Kinder entdecken Glauben über Farben, Formen und kleine Rituale. Eine Perle kann der Anfang für eine Geschichte, ein Gespräch oder ein gemeinsames Gebet sein, ganz ohne Vorwissen.

Perle für Perle
Wie nah einem so ein Armband kommen kann, zeigten Ines Krieger, Studienleiterin im Schuldekanat, und Kerstin Kölsch, Kita-Fachberaterin im Kirchenbezirk, in ihrem gemeinsamen Impuls. Ein geschenktes Perlenband habe geholfen, das Beten neu zu entdecken: „Damit habe ich das Gebet neu oder eben anders für mich entdeckt.“

Perle für Perle ging es dann das Band entlang: die goldene Gottesperle, bei der alles beginnt und endet. Die kleine Ich-Perle direkt daneben. Die Taufperle als Zusage, beim eigenen Namen gerufen zu sein. Und die roten Perlen der Liebe mit dem Vers: „Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Auch die Wüstenperle bekam ihren Platz, für die Zeiten, in denen es schwer wird. Die Botschaft war trotzdem eine hoffnungsvolle: Neben dem ausgebliebenen großen Wunder gab es viele kleine. „Jesus nimmt die Wüste nicht immer sofort weg, aber er geht mit.“ Dazu ein Satz, der wunderbar zu jedem Neustart in Kita und Schule passt: „Öffnet sich mir die Tür, dann gehe ich hindurch. Bleibt sie verschlossen, dann ist es nicht mein Weg.“

Selbst aktiv werden
Nach dem Lied „Da wohnt ein Sehnen“ wurde es lebendig in der Kirche: An Stationen zu den einzelnen Perlen konnten alle in Ruhe schauen, nachdenken und beten. Manche legten einen Sorgenstein auf den Altar, andere schrieben auf herzförmige Karten, wofür sie an diesem Tag dankbar waren.

Für die Musik sorgte der Schuldekan selbst, mit Gitarre und Gesang. Vorbereitet hatte das Team Holzhäuer, Krieger und Kölsch den Abend gemeinsam. Warum ihnen dieser Auftakt so am Herzen liegt, sagte Ines Krieger vorab: „Mit der Stärkung durch den Gottesdienst und durch Gottes Wort in das Schuljahr starten, das ist unverzichtbar.“

Ein Armband und ein Segen für den Weg
Zum Schluss gab es den Segen und für alle, die wollten, ein eigenes Perlenarmband zum Mitnehmen. Dazu einen Mutmacher für die kommenden Monate: „Nichts, was vor dir liegt, ist größer als der Gott, der hinter dir steht.“ Das Schuldekanat Ravensburg wünscht allen Kitas und Schulen ein erfülltes und gesegnetes neues Jahr.

Impuls des Schuldekans zum neuen Schuljahr

Schalenbrunnen
© Foto: KI generiert (ChatGPT)

Aus dem Vollen Schöpfen

 

Zum Beginn eines neuen Schuljahres begegnen uns viele Erwartungen, Hoffnungen und Herausforderungen. Umso wichtiger kann es sein, den Blick immer wieder auf das zu richten, was uns guttut und uns staunen lässt: Schönheit wahrzunehmen und sich an dem zu freuen, was uns Tag für Tag geschenkt ist. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, entdeckt vieles, das zum Staunen einlädt. Es gibt Augenblicke, in denen das Leben sich nicht nach Mangel, Druck und „Ich muss noch mehr tun“ anfühlt, sondern nach Fülle. 

Was bedeutet für uns persönlich ein Leben in Fülle? Vielleicht würden wir ganz unterschiedlich beantworten, was uns im Leben trägt. Der christliche Glaube gibt darauf eine eigene Antwort. Jesus bringt sie im Johannesevangelium auf den Punkt: „Ich bin gekommen, um ihnen das wahre Leben zu bringen – das Leben in seiner ganzen Fülle.“ (Joh 10,10). Wir müssen Leben nicht selbst hervorbringen, sondern Leben ist Geschenk. Gott rechnet nicht auf, was uns noch fehlt. Er misst unser Leben nicht an dem, was wir noch leisten müssen. Der christliche Glaube vertraut darauf: Bei Gott ist Raum für mehr als Leistung, Erfolg und Funktionieren. 

Aus dieser Fülle dürfen wir als Christinnen und Christen leben. Das bedeutet nicht, dass uns unerschöpfliche eigene Kraft geschenkt wird. Vielmehr dürfen wir uns immer wieder von Gottes Liebe und Nähe erfüllen lassen. Wer unterrichtet, begleitet, leitet und Verantwortung übernimmt, gibt ständig weiter: Aufmerksamkeit, Wissen, Ermutigung, Zeit und Kraft. Die Gefahr ist groß, selbst zum Kanal zu werden, durch den ständig etwas hindurchfließt, ohne dass wir selbst zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen. Bernhard von Clairvaux hat dafür bereits im 12. Jahrhundert ein eindrucksvolles Bild geprägt, das bis heute aktuell ist: „Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal.“ 

Mit dem Start in das neue Schuljahr sind wir eingeladen, nicht nur aus dem zu schöpfen, was wir selbst aufbringen können, sondern uns immer wieder von Gottes Liebe beschenken und stärken zu lassen.

Möge Gott Ihnen in diesem Schuljahr immer wieder neue Freude, Zuversicht und Gelassenheit schenken. Mögen Sie aus seiner Fülle schöpfen und so für andere zum Segen werden.

 

Samuel Holzhäuer (Schuldekan Ravensburg)

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